FOSS Archäologie Workshop

 

Termin: 20./21. Januar 2015 in Dresden

Gastgeber: Landesamt für Archäologie Sachsen 

(Zur Wetterwarte 7, 01109 Dresden OT Klotzsche)

Organisation: D. Bibby, U. Böhner, R. Göldner

Kontakt: Dr. Reiner Göldner (reiner.goeldner @ lfa.sachsen.de)

 

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Resümee

Eindrücke vom FOSS-Archäologie-Workshop am 20./21.01.2015 in Dresden (Fotos: R. Göldner).

Der FOSS-Archäologie-Workshop widmete sich den Spezifika von freier und quelloffener Software  im Bereich der Archäologie (FOSS = Free and Open Source Software). Mit 34 Teilnehmern konnten die Themenbereiche Technologie, Informationssysteme/ Landesämter, Anwendungen/ Beispiele und Grabungen in 10 Vorträgen ausführlich vorgestellt und diskutiert werden. Dabei wurden vielfältige, mit großer fachlicher Sorgfalt zusammengestellte Informationen dargeboten.

Bereits in den 70er Jahren befasste sich der „Kooperationsausschuss Automatisierte Datenverarbeitung Bund/ Länder/ Kommunaler Bereich“ (KoopA ADV) mit Regeln der gemeinsamen Entwicklung bzw. der Weitergabe von Software durch den öffentlichen Dienst, weil man erkannt hatte, dass sich so Ressourcen sparen lassen. Dies mündete in den sog. „Kieler Beschlüssen, die mit dem Aufkommen der Open-Source-Bewegung eine neue Bestätigung erfahren haben. Im Workshop wurde das Anliegen sinngemäß so formuliert: öffentliche Gelder sollen für öffentliche Software verwendet werden!

Im Verlauf der Vorträge und Diskussionen zeichnete sich ein breites Interesse an Software und begleitenden Standards für den Bereich der archäologischen Grabungsdokumentation ab. Diesbezüglich bestehende Lösungen sind zumeist verbesserungsfähig und man schaut sich nach Anregungen und Partnern um, weil die eigenen Ressourcen allzu oft keine großen Schritte erlauben. Als vielversprechende Keimzellen für eine auf die archäologische Grabungsdokumentation abgestimmte Sammlung von Softwarehilfsmitteln werden die FOSS-Systeme „archaeoDox CE“ und „Survey2GIS“ angesehen. Ergänzend dazu kann man sich beispielsweise Tools für die direkte Anbindung von Vermessungsgeräten und für eine funktionelle Verknüpfung mit GIS-Funktionalitäten (beispielsweise über die FOSS-GIS „gvSIG CE“ oder „QGIS“) vorstellen.

Aus Sicht der Archäologie muss die zur Erfassung der Daten benutzte Technik oder Software gar nicht festgelegt werden, wenn entsprechende Standards für die bereitzustellenden Daten existieren. Solche Standards sind Voraussetzung dafür, dass man bei der Softwareentwicklung die Aufgaben in Module und somit auf mehrere Schultern verteilen kann. Auf diesem Weg lassen sich FOSS- und Nicht-FOSS-Komponenten in Kombination einsetzen. In dieser Beziehung könnte die VLA-Kommission Archäologie und Informationssysteme, gemeinsam mit der Kommission Grabungstechnik, effektiv wirksam werden und Vorschläge für Schnittstellen, Vokabulare usw. erarbeiten.

Insgesamt gesehen war der Workshop äußerst informativ. Die Teilnehmer waren mit den Ergebnissen und dem Ausblick sehr zufrieden und sie bezeichneten den Workshop als informativ und damit erfolgreich und nützlich.

Dieses kurze Resümee und einen etwas ausführlicheren Ergebnisbericht findet man rechts unter "Weiterführende Links" als PDF zum Download. Wir bemühen uns, auch die Vorträge selbst hier bald zu veröffentlichen.

 

R. Göldner, D. Bibby, U. Böhner

Vorträge

Die nachfolgend zitierten Kurzfassungen und die Präsentationen wurden freundlicherweise von den Vortragsautoren zur Verfügung gestellt.

 

Benjamin Ducke. Technologie, Entwicklung und Nachhaltigkeit im FOSS GIS gvSIG CE. (→ Präsentation)

„Angewandte Archäologie und Denkmalpflege müssen bei Ausgaben für die Entwicklung von Fachsoftware neben der technologischen auch die ökonomische Nachhaltigkeit im Blick behalten und redundante Ausgaben vermeiden. Unter diesem Aspekt kommt Open-Source-Software, die vielen Archäologen als kostenlos zu nutzende Software vertraut ist, ein wichtiger Stellenwert zu. Das Projekt "gvSIG CE" (http://gvsigce.org) finanziert sich erfolgreich durch den gezielten Ausbau von GIS-Funktionalität auf Auftragsbasis. Es kann dabei bereits auf einen sehr umfangreichen Vorrat an Funktionalität zurückgreifen. Dies hat für Investoren den Vorteil, dass neue Funktionen meist mit relativ geringem Kostenaufwand auf alten aufgebaut werden können. Sehr attraktiv wird das Modell durch die Möglichkeit der kollaborativen Entwicklung und Kofinanzierung.“
(B. Ducke)

 

Johannes Valenta (ArchIV - Archäologische Informationsverarbeitung): Einsatz verschiedener FOSS Desktop-GIS in der archäologischen Informationsverarbeitung. (→ Präsentation)

„Der Vortrag ‚Einsatz verschiedener FOSS Desktop-GIS in der archäologischen Informationsverarbeitung‘  von Johannes Valenta (www.arch-iv.de) zeigt die Verwendung von gvSIG CE (www.gvsigce.org), QGIS (www.qgis.org), SAGA GIS (www.saga-gis.org) und PostGIS (www.postgis.net) anhand von Praxisbeispielen. Die vorgestellten Arbeitsbereiche umfassen Teilaspekte der archäologischen Koordination, Airborne Laserscanauswertung und thematische Kartographie bzw. museale Vermittlung. Moderne Desktop-GIS müssen dabei Vektor- und Rasterdaten verarbeiten können. Zur Datenhaltung sind räumliche Datenbankmanagementsysteme geeignet. Die GIS-Softwares unterscheiden und ergänzen sich in ihrem Funktionsumfang. Für Standardanwendungen sind die technischen Unterschiede eher gering, Differenzen liegen oft in der Benutzerfreundlichkeit.“
(J. Valenta)

 

Reiner Göldner (Landesamt für Archäologie Sachsen): Untersuchungen zum Einsatz von FOSS-GIS am Landesamt für Archäologie Sachsen. (→ Präsentation)

„Im Landesamt für Archäologie Sachsen wurden gemeinsam mit dem Fachbereich Geoinformation der HTW Dresden zwei Studien  zum Einsatz von FOSS im GIS-Bereich durchgeführt. Die Aufgabenstellung umfasste Anforderungsanalyse, Systemplanung, prototypische Umsetzung, Test und Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen. Im Ergebnis entstanden zwei Masterarbeiten:
•    Weniger, Dorothee: Konzeption zum Einsatz von FOSS-GIS im sächsischen Landesamt für Archäologie, Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, Masterarbeit, Januar 2013.
•    Mücke, Daniela: Teststellung zum Einsatz von FOSS-GIS im sächsischen Landesamt für Archäologie, Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, Masterarbeit, September 2013.
Die Analyse des bestehenden GIS erfolgte in Form von Befragungen und Beobachtungen. Das bestehende System wurde softwareneutral modelliert. Außerdem wurden die funktionalen und nichtfunktionalen Anforderungen für Umstellung auf FOSS-GIS aufgestellt. Das betrachtete System besteht aus den wesentlichen Komponenten Desktop-GIS, Datenbanksystem/Geodatenbank, WMS-Server und WMS-Client.
Für die Umstellung wurden verschiedene Varianten betrachtet, die sich durch die Anzahl der zu ersetzenden Komponenten unterscheiden.
Die Teststellung erfolgte vollständig mit FOSS, die folgenden Produkte fanden dabei Verwendung:
•    Desktop-GIS:     QGIS
•    DBMS/Geodatabase:     PostgreSQL/PostGIS
•    WMS-Server/Client:     MapGuide/MS-IE
Bei der Migration der Sachdaten, Geodaten und Kartenzusammenstellungen zeigte sich anhand vieler kleiner Probleme, dass Erfahrungen sehr hilfreich sind. Nach erfolgreicher Datenmigration wurden die festgelegten Prozesse manuell getestet, ebenfalls erfolgreich.
Die detaillierte Kostenvergleichsrechnung ergibt ein Einsparpotential bei der Umstellung auf FOSS. Allerdings gehen mit der Umstellung auch Unwägbarkeiten und Risiken einher.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Vorteile von FOSS sich vor allem dann entfalten, wenn die Systeme möglichst direkt und ohne größere Anpassungen genutzt werden können. Auch bei der Entwicklung von neuen Softwaretools können Vorteile entstehen. Bei der Bewertung sollte man sich nicht von fehlenden Lizenzkosten blenden lassen, sondern eine umfassendere Kosten-Nutzen-Analyse durchführen, bei der unbedingt auch Nicht-FOSS berücksichtigt werden sollten!“ 
(R. Göldner)

 

Malte Pfaff-Brill (derbrill IT-Service), Utz Böhner Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege: Der Einsatz von Identifiern und Schnittstellen in archäologischen Informationssystemen. (→ Präsentation)

„Um eine konsistente Datenhaltung zu garantieren ist es wichtig einzelne Datensätze eindeutig identifizieren zu können. Um dies zu erreichen werden in Datenbanksystemen und Austauschformaten Schlüsselfelder, die sogenannten Identifier, verwendet. Traditionell waren dies Ganzzahlen, Felder vom Datentyp Integer. Der Vorteil dieser Methode liegt in geringem Aufwand bei der Erfassung dieser Ganzzahlen. So brauchte man sich zum Beispiel bei der Benutzung einer mySQL Datenbank gar nicht um die Vergabe der Nummer zu kümmern, indem man das Attribut autoIncrement (eigenständig hochzählen) setzte. Dies funktioniert auch recht gut, solange man die eigene Welt der Datenbank nicht verlässt. Spätestens jedoch wenn man versucht Daten in einem größeren Kontext zu betrachten, zum Beispiel über mehrere Grabungskampagnen, ist die Vergabe einer Ganzzahl als Schlüssel nicht ideal, da sie nicht eindeutig ist. Dies kann dazu führen, das beim Versuch Daten aus mehreren Quellen zusammen zu führen Datensätze nicht geschrieben werden können, oder aber im schlimmsten Fall durch Einstellungen wie „Try update before Insert“ Datensätze vermischt und somit unbrauchbar werden.
Eine Lösung dieses Problems ist das Erzeugen von Schlüsseln über mehrere Spalten in der Tabelle. Diese sind jedoch zum einen schwerer zu generieren, zum anderen durchaus langsamer in Datenbankabfragen. Besser ist die Verwendung sogenannter UUIDs (universally unique identifier). Eine UUID ist immer eineindeutig und somit unverwechselbar. Ein weiterer Vorteil ist, das UUIDs in verschiedenen DB-Systemen als Datentyp vorhanden sind und somit auf Korrektheit geprüft werden können.
Sobald Datensätze eindeutig identifiziert werden können, hat man die Grundlage geschaffen Daten zwischen verschiedenen Systemen auszutauschen. Hierfür müssen die Austauschformate jedoch klar definiert und abgesprochen sein.
Im elektronischen Datenaustausch gilt es den Mittelweg zwischen zu übertragender Datenmenge und einer gewissen Flexibilität der zu übermittelnden Inhalte zu finden. Verschiedene Datenformate sind hierfür mehr oder minder geeignet. Dies wird anhand von Formaten fester Feldlänge, CSV, XML und JSON demonstriert.
 Hat man sich nun auf ein Austauschformat geeinigt, können diese Daten auf verschiedene Art und Weise zwischen den Systemen ausgetauscht werden. Dies wird exemplarisch anhand der Nutzung von SOAP und REST Webservices dargestellt.“
(M. Pfaff-Brill)

 

Katrin Wolters, Christof Schuppert (Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz): Verwendung von FOSS-Komponenten in einer Fachdatenbank für kulturelles Erbe mit GIS-Anbindung in Rheinland-Pfalz.

"In der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) wird als zentraler Baustein für Fachdatenbanken das Datenbanksystem PGIS,  das seit 2011 im Einsatz ist und auf der Grundlage von Microsoft .NET Komponenten entwickelt wurde, mit den FOSS-Komponenten PostgreSQL/PostGIS, QGIS, OpenLayers und Mapserver eingesetzt.
Zentrale Bausteine der skalierbaren Anwendungen bilden Suche, Export, Bild- und Dokumentenablage und eine GIS-Komponente. Zur Anzeige in einem Kartenviewer können über ein Browserfenster in der .NET 'Oberfläche' mit OpenLayers zentral auf dem PostgreSQL-Server vorgehaltene Geodaten via Mapserver und WMS-Diensten auf unterschiedlichen Fachlayern dargestellt werden. Für komplexere Aufgaben kommt als Desktop-GIS QGIS zum Einsatz, die vom User ausgewählten Fach- und Geodaten werden über PostGIS Layer in eine QGIS-Projektdatei geschrieben. Außerhalb der GDKE im Bereich der Geodateninfrastruktur RLP werden die Daten im Geoportal.rlp über WMS-Dienste per Mapserver bereitgestellt.
"
Katrin Wolters, Christof Schuppert)

 

Christoph Steffen (Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart): Von der Luftbildserie zur 3D-Dokumentation - kostengünstige Softwarealternativen zu Agisofts PhotoScan. (→ Präsentation)

„Das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart setzt das fotogrammetrische SFM-Verfahren zur 3D-Oberflächendokumentation von archäologischen Funden, Befunden und seit 2014 auch regelhaft von ganzen Ausgrabungsflächen ein. Im Gegensatz zu Scanverfahren, kann mittels SFM nicht nur die 3D-Geometrie der Objekte, sondern auch deren Farbinformation in hoher Qualität erfasst werden.
Seit letztem Jahr ist ein Quadrokopter zu diesem Zweck im Testeinsatz. Dabei werden bei bis zu 15 minütigen Bildflügen aus geringen Flughöhen umfassende Luftbildserien aufgenommen. Aus diesen werden georeferenzierte 3D-Oberflächenmodelle sowie Orthofotomosaike berechnet, die in einem GIS als Grundlage für die digitale Planerstellung dienen. Durch Bildoptimierungsverfahren, wie dem 'Decorrelation Stretch' können auf der Fläche nur schwach erkennbare Erdbefunde im Falschfarbenbild leicht identifiziert und vermessen werden. Im Gegensatz zur konventionellen Planaufnahme kann eine Ausgrabungsfläche nach einem nur wenige Minuten dauernden Bildflug für die folgende Arbeiten wieder freigegeben werden."
(C. Steffen)

 

Danilo Bretschneider (lat/lon GmbH): GeoEditor & GeoRecherche - Erfassung und Bereitstellung georeferenzierter archäologischer Informationen auf Basis der OpenSource Werkzeuge geomajas und deegree. (→ Präsentation)

„Der GeoEditor und GeoRecherche sind Anwendungen für Sachbearbeiter der Bau- und Bodendenkmalpflege um archäologische Fundstätten und Denkmäler digital und georeferenziert erfassen. Die Anwendungen sind aus einem Projekt mit dem Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie hervorgegangen. Dabei können beide Anwendungen in ein bestehendes Fachinformationssystem (FIS) eingebunden werden, sodass eine Verschneidung mit weiteren archäologischen Sachdaten möglich ist. Die Anwendung GeoRecherche dient dem Nutzer zur Recherche von vorhandenen Geoobjekten der Denkmalpflege sowie zur Speicherung der jeweiligen Rechercheergebnisse im FIS. Mit der Anwendung GeoEditor ist es dem Nutzer ebenfalls möglich vorhandene Geoobjekte (z.B. Fundstätten) in einer Karte zu visualisieren. Darüber hinaus können Georeferenzen zu vorhandenen bzw. neu erfassten Fundstätten und Denkmälern anzulegen oder zu bearbeiten. Die Gesamtlösung sieht vor, dass die erfassten Fundstätten über standardisierte Geodienste (WMS und WFS) im Rahmen der INSPIRE Richtlinie (Anhang I, Thema Schutzgebiete) angeboten werden. Zur Implementierung der Portalanwendungen und Geodienste werden die Open Source Software-Pakete deegree und geomajas eingesetzt, die beide ebenfalls Projekte innerhalb der OSGeo Foundation sind. Die Anwendungen und Geodienste erfüllen die Standards des OGC und der INSPIRE Direktive.“
(D. Bretschneider)

 

Philipp Gerth (Deutsches Archäologisches Institut): Zur Verwendung von Open-Source Software im GIS und Grabungskontext am Deutschen Archäologischen Institut.

 

David Bibby (Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart): Survey2GIS – Eine flexible Open-Source-Lösung für den Transfer von Vermessungsdaten zu GIS. (→ Präsentation)

„Bei der Software Survey2GIS handelt es sich um eine kompakte und benutzerfreundliche Lösung für die Planumsdokumentation. Sie führt eine Aufbereitung zwei oder dreidimensionaler Punktmessdaten zu komplexen Geometrien (Linien und Polygone, auch mehrteilig und mit Löchern) für die weitere Verarbeitung im GIS durch. Als Eingabedaten werden eine oder mehrere einfache Textdateien mit einem Datensatz (Koordinaten plus Attributdaten) pro Zeile erwartet. Derart strukturierte Daten können z. B. tachymetrisch (Totalstation) oder per GPS-Vermessung gewonnen werden. Als Ausgabedaten erzeugt survey2gis standardkonforme Dateien im Format ESRI (tm) Shapefile (2D oder 3D), nach Geometrietypen getrennt, mit vollständigen Attributdaten. Eine DXF-Ausgabe ist auch möglich. Komplexere Geometrien wie Linien und Polygone werden aus einfachen Punktdaten erstellt, indem die einzelnen Datensätze anhand im Feld kodierter Attributdaten verwoben werden. Anhand der Attributdaten lassen sich Befunde und Funde mit entsprechender Symbologie darstellen. Dieser Prozess lässt sich durch einen konfigurierbaren Parser in allen Details steuern, was eine flexible Anpassung an unterschiedlichste Arbeitsabläufe und Datenstrukturen, einschließlich der Aufnahme von Profilen und Ansichten, erlaubt. Die Software ist leicht bedienbar. Sie verfügt über detaillierte Protokollfunktionen zur Qualitätssicherung und Dokumentation der Datenverarbeitung. Bei Survey2GIS wird großer Wert auf topologisch korrekte Ausgabedaten gelegt, welche sich direkt für die quantitative Analyse im GIS eignen. Hierzu gehören z.B. Funktionen zum Löschen doppelter Messpunkte, Einrasten von Stützpunkten auf Polygongrenzen und "Ausstanzen" überlappender Polygone. Die Software wird unter den GNU GPU frei zur Verfügung gestellt. Sie läuft unter Windows, Linux und Mac OS X.“
(D. Bibby)

 

Jörg Räther, Eicke Siegloff: archaeoDox CE - Grabungsdatenbank und Dokumentenmanagement (→ Präsentation)

„Das Design einer Grabungsdatenbank wird oftmals in Abhängigkeit vom jeweiligen Ausgrabungsprojekt oder spezifischen wissenschaftlichen Fragestellungen entworfen. Für eine Grabungsdatenbank im Bereich der Bodendenkmalpflege sind die Anforderungen ungleich komplexer. Das Design der Grabungsdatenbank archaeoDox sollte von Beginn an sämtliche archäologische Aktivitäten von der Not- und Rettungsgrabung bis zur Forschungs- oder Plangrabung, vom Paläolithikum bis zur Neuzeitarchäologie, von der Flächen- bis zur Stadtkerngrabung abdecken. Außerdem sollten vor dem Hintergrund der beständig zunehmenden Flut digitaler Daten nicht bloß archäologische Fachdaten, die Dokumentation von Funden und Befunden,  abgebildet werden, sondern zugleich alle Arten von Dateien, Digitalfotos, CAD- und GIS-Dateien, Messdaten etc., welche bei der Dokumentation einer Ausgrabung anfallen, über die gleiche Anwendung abgelegt und in einem archäologischen Dokumentenmanagementsystem verwaltet werden können.
Die Entwicklung von archaeoDox begann 2009 im Auftrag des Archäologischen Landesamts Schleswig-Holstein durch derbrill-IT. Das Archäologische Museum Hamburg ist seit 2011 Entwicklungspartner. Mit der Veröffentlichung der archaeoDox Community Edition als Freie und Offene Software unter GNU GPL v3  in 2014 hat sich der Zuschnitt des Projekts zuletzt stark verändert. Die archaeoDox Community Edition verfügt über den vollen Funktionsumfang der in Hamburg und Schleswig-Holstein als Standard-Dokumentationssoftware eingesetzten Versionen. Sie ist ebenso plattformunabhängig auf Windows- Mac- oder Linux-Betriebssystemen einsetzbar. Als Back-End kommt das Datenbank-Managementsystem PostgreSQL, als Front-End, also für die Entwicklung der Benutzeroberfläche, Live Code zum Einsatz. Die Anwendung ist auf dieser Basis flexibel skalierbar und lässt sich sowohl  als Stand-Alone-Anwendung im Feld als auch in einer Client-Server-Umgebung im Büro oder bei größeren Grabungsprojekten mit vernetzter IT-Infrastruktur betreiben.
Für die Weiterentwicklung von archaeoDox bildet die gerade begonnene Entwicklung einer Geodatenerweiterung zusammen mit der Kopplung von archaeoDox mit einem Desktop-GIS mittels eines Connectors einen Schwerpunkt. Ein zweiter Schwerpunkt ist die Umsetzung eines Moduls Verwaltung, u.a. für die Dokumentation von Denkmalbegehungen, und die Implementierung eines Rechtemanagements. Weiterhin sind ein Ausbau der archaeoDox-Webanwendung und eine Dokumentation des archaeoDox-Datensicherungs-XMLs als weiterer Standardisierungsschritt geplant.“

(J. Räther, Eicke Siegloff)

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Workshop-Thema

Free-and-Open-Source-Software (FOSS) ist oft eine preiswerte und gelungene Alternative zu proprietärer Software und in Zeiten sinkender Budgets findet sie zunehmend Beachtung. Auch im Bereich der Archäologie gibt es dazu erste Erfahrungen, die es wert sind, mit anderen Interessierten geteilt zu werden. Auf Initiative der VLA-Kommission Archäologie und Informationssysteme soll dazu ein Workshop organisiert werden.

In den letzten Jahren kamen auch in vielen Bereichen der Archäologie schon FOSS-Anwendungen zum Einsatz, z.B.:

  • Office: Open Office, Libre Office
  • Datenbanken: MySQL, postgreSQL
  • GIS: postGIS, Quantum GIS, OADE, gvSIG
  • 3D: SFM-Tools (Bundler,Visual SFM, Meshlab, PMVS/CMVS usw.)
  • Speziell: Survey2GIS (Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart u.a.)
  • Speziell: archaeodox (Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein u.a.)

In anderen Bereichen bestehen noch Lücken (z.B. CAD). Oder es haben sich noch keine Standards herausgebildet und die Weiterverarbeitung und Nachnutzung ist deshalb nur eingeschränkt möglich.

Der Workshop soll einerseits die Möglichkeit für die Vorstellung von bestehenden FOSS-Anwendungen in der Archäologie bieten. Andererseits soll eine (moderierte) Diskussion zu weiteren Einsatz- und Entwicklungsmöglichkeiten geführt werden. Als Themenschwerpunkte werden vorgeschlagen:

  • Grabungsdokumentation (alle Bereiche einer Ausgrabung von der Vermessung über Metadatenerfassung und Dokumentenverwaltung bis hin zur Übergabe ins Archiv)
  • Archäologische Informationssysteme und Archive (alle Bereiche der zentralen Erfassung, Verwaltung und Bereitstellung archäologischer Informationen, z.B. Datenbanksysteme, Geoinformationssysteme, Archivierungstools, Internetapplikationen und -dienste usw.)

Der Workshop soll dazu dienen, bestehende Erfahrungen weiterzugeben, Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen und Synergieeffekte zwischen Projekten, Programmen und Institutionen zu erkunden. Es geht nicht um Werbung, sondern um mit fachlicher Sorgfalt zusammengestellte Informationen. Die Kostenfrage soll dabei weder ausgeklammert noch einseitig ("kostenfrei") diskutiert werden, so dass auch Nicht-FOSS im Blickwinkel verbleiben.

Als Teilnehmer kommen vor allem IT-Verantwortliche und IT-Interessierte aus archäologischen Institutionen in Betracht, aber auch aus Forschungseinrichtungen. Der initiale Verteiler soll die Mitglieder und Spezialisten der VLA-Kommission Archäologie und Informationssysteme beinhalten. Der Workshop soll über zwei halbe Tage verlaufen (von Mittag bis Mittag), um eine deutschlandweite Beteiligung zu ermöglichen.

 

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Programm

(Aktualisierungen vorbehalten)

Programm als PDF herunterladen.

 

Dienstag, 20. Januar 2015, 11 – 17 Uhr

11:00    Empfang, Einstimmung

11:45    Begrüßung

12:00    Vorträge, Thema „Technologie“

  • Benjamin Ducke: Technologie, Entwicklung und Nachhaltigkeit im FOSS GIS gvSIG CE
  • Johannes Valenta: Einsatz verschiedener FOSS Desktop-GIS in der archäologischen Informationsverarbeitung

13:00    Mittagspause

14:00    Vorträge, Thema „Informationssysteme/Landesämter“

  • Reiner Göldner: Untersuchungen zum Einsatz von FOSS-GIS am Landesamt für Archäologie Sachsen
  • Malte Pfaff-Brill, Utz Böhner: Der Einsatz von Identifiern und Schnittstellen in archäologischen Informationssystemen
  • Katrin Wolters, Christof Schuppert: Verwendung von FOSS-Komponenten in einer Fachdatenbank für kulturelles Erbe mit GIS-Anbindung in Rheinland-Pfalz

15:30    Pause

16:00    Vorträge, Thema „Anwendungen, Beispiele“

  • Christoph Steffen: Von der Luftbildserie zur 3D-Dokumentation - kostengünstige Softwarealternativen zu Agisofts PhotoScan
  • Danilo Bretschneider: GeoEditor & GeoRecherche - Erfassung und Bereitstellung georeferenzierter archäologischer Informationen auf Basis der OpenSource Werkzeuge geomajas und deegree


Mittwoch, 21. Januar 2015, 9-13 Uhr

09:00    Vorträge, Thema „Grabungen“

  • Philipp Gerth: OpenInfRA, iDAIgazetteer und iDAIgeo: Zur Verwendung von Open-Source Software im GIS und Grabungskontext am Deutschen Archäologischen Institut
  • David Bibby: Survey2GIS – Eine flexible Open-Source-Lösung für den Transfer von Vermessungsdaten zu GIS
  • Jörg Räther, Eicke Siegloff: archaeoDox CE - Grabungsdatenbank und Dokumentenmanagement

10:30    Pause

11:00    Diskussion (Erkenntnisse, Ausblick, Bedarf, Projektideen, …)

12:30    Ausklang/Verabschiedung/Hausrundgang/Mittagspause

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Weitere Informationen folgen demnächst. 

  • Ende November: Vortragszusagen
  • Anfang Dezember: Program