Leitlinien zur archäologischen Denkmalpflege in Deutschland

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29.07.2016 Von: Regina Smolnik, LfA Sachsen

Was passiert mit dem Projekt „Schöninger Speere“?

Niedersächsische Archäologen sollen nicht mehr am Forschungsprojekt "Schöninger Speere" beteiligt sein


Ausgräber Dr. H. Thieme erklärt Speer VI in Fundlage (Foto: von P. Pfarr NLD - Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19057141)

Der Vorsitzende des Verbandes der Landesarchäologie, Michael Rind, hat sich in einem Schreiben vom 25.07.2016 an den Ministerpäsidenten des Landes Niedersachsen, Stephan Weil, gewandt, um seiner Besorgnis in Bezug auf die Zukunft der Forschungsarbeiten an der international bedeutenden paläolithischen Fundstelle Schöningen im Braunkohlentagebau Schöningen-Süd Ausdruck zu geben. Anlass ist die zukünftig nicht mehr vorgesehene Einbindung der niedersächsischen Landesarchäologie in das Forschungsprojekt.

  

Geplant sei, dass sich das Land Niedersachsen aus der Forschungstätigkeit des Projektes zurückziehe und die alleinige Forschungskompetenz der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, vertreten durch den Lehrstuhl für ältere Urgeschichte und Quartärökologie der Universität Tübingen, übertragen werde. Dem zuständigen Fachamt würde somit der wissenschaftliche Zugriff auf eine der bedeutendsten Fundstellen ihres Landes entzogen. In einer Pressemeldung erklärte das zuständige Ministerium, die Senckenberg Gesellschaft verfüge über eine größere Expertise zur Steinzeit als das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege mit den dort tätigen Archäologen: http://www.t-online.de/regionales/id_78529898/senckenberg-gesellschaft-leitet-forschung-am-palaeon.html

   
Nachdem bereits der Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirates der paläon GmbH, Harald Meller, Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt, in einem Brief an den Ministerpräsidenten zur Vorsicht in Bezug auf die geplante Organisationsänderung gemahnt hat, weist auch Michael Rind darauf hin, dass die Übertragung der alleinigen Forschungsverantwortung vom zuständigen Fachamt für Archäologie auf eine externe Institution ein einmaliger Vorgang im Fach Archäologie in der Bundesrepublik Deutschland wäre.  Er  verweist auf die mehrjährigen Grabungen des Landesamtes an der Fundstelle und den leistungsfähigen interdisziplinären Forschungsverbund, den es in den vergangenen zwei Jahrzehnten um das Projekt "Schöninger Speere" herum aufgebaut habe. Forschungsarbeiten an archäologischen Fundstellen und dem dort geborgenen Fundmaterial seien immer zu den Aufgaben der zuständigen Landesämter zu zählen, so wie es auch das Niedersächsische Denkmalschutzgesetz vorsähe.

  
Weitere Stellungnahmen erfolgten durch den Präsidenten des Deutschen Verbandes für Archäologie, Hermann Parzinger (Stiftung Preußischer Kulturbesitz) und andere Fachverbände.