Leitlinien zur archäologischen Denkmalpflege in Deutschland

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08.08.2016 Von: Dr. Christiane Hemker, Landesamt für Archäologie Sachsen

Vom Kloster zum Finanzamt

Gut erhaltene Befunde im ehemaligen Franziskanerkloster in Annaberg-Buchholz, Erzgebirgskreis


Der Freistaat  Sachsen plant die Errichtung eines zentralen Finanzamtes für den Erzgebirgskreis in Annaberg-Buchholz. Das Baufeld liegt direkt auf dem Standort des ehemaligen Franziskanerklosters in Annaberg. Nur wenige Jahre nach der Stadtgründung Annabergs 1496 gründet Herzog Georg der Bärtige 1502 das Franziskanerkloster. Für die Landesherrschaft Herzog Georgs waren die reiche und rasch wachsende Bergstadt und damit auch das Franziskanerkloster von enormer Bedeutung. 1512 wurde es eingeweiht aber bereits 1540 im Zuge der Reformation wieder aufgehoben.

 
Nach der Auflösung des Klosters zogen das Berggericht, die Silberkammer und für kurze Zeit auch die Annaberger Münze (1540-1542) in die  leerstehenden Klostergebäude  Der große Stadtbrand von 1604 richtete  im Klosterbereich verheerende Zerstörungen an.  Bald danach wurde der Nordflügel als Fürstenhaus wieder aufgebaut, doch ein weiterer Stadtbrand im Jahre 1731 zerstörte die Gebäude des ehemaligen Franziskanerklosters vollständig. Obertägig zeugt heute nur mehr ein Rest des Kirchenchores im aufgehenden Mauerwerk vom Kloster.

Für die Archäologen erwies es sich als  absoluter Glücksfall, dass abgesehen vom Amtsgericht und dem Finanzamt-Magazin in den folgenden Jahrhunderten auf dem  Klosterareal nur wenig Bautätigkeit stattfand. So  gab es für das Grabungsteam Anlass zur Hoffnung, dass sich im Erdreich noch Relikte aus der Klosterzeit erhalten hatten. In der Tat konnten die Archäologen bereits nach kurzer Zeit zahlreiche und gut erhaltene Mauerzüge der westlichen und nördlichen Klausurgebäude sowie vom Klosterkreuzgang freilegen. Aus der kurzen Nutzungsphase als Münze stammen  zudem hunderte Objekte von technischer Keramik, wie sie im 16.Jahrhundert im Probier- und Schmelzprozess verwendet wurde.

Die vielversprechenden Untersuchungen werden phasenweise noch bis in das kommende Frühjahr andauern.