Leitlinien zur archäologischen Denkmalpflege in Deutschland

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11.09.2014 Von: Dr. Henning Haßmann, NLD

Ulfberht-Schwert aus der Weser ausgebaggert

Der Aufmerksamkeit eines Laien ist es zu verdanken, dass ein aus dem Flussbett der Weser bei Hameln ausgebaggertes frühmittelalterliches Schwert vom ULFBERHT-Typ für die archäologische Forschung gerettet werden konnte und gegen die Zahlung eines Finderlohns in niedersächsischen Landesbesitz überging.


Mit Ausnahme einer Fehlstelle an der Parierstange ist das Eisenschwert vollständig erhalten und weist eine Länge von 95 cm auf. Die klassische +VLFBERH+T-Signatur auf der Klingenvorderseite und die geometrische Marke auf der Rückseite sind charakteristisch für hochwertige Schwertklingen aus fränkischer Produktion, die trotz eines Waffenembargos in großer Zahl in das Gebiet der Wikinger und Slawen gelangten, wo sie ihr Hauptverbreitungsgebiet haben. Die Ausgestaltung des Gefäßes entspricht Typ V nach Petersen, der in die erste Hälfte des 10. Jh. datiert wird und bei etwa 15 Schwertfunden von Island bis in die Ukraine nachgewiesen ist.


Im Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege und bei seinen naturwissenschaftlichen Kooperationspartnern an der Leibniz Universität Hannover wurden vor Beginn der eigentlichen Restaurierung umfassende Dokumentationsmaßnahmen und archäometallurgische Untersuchungen durchgeführt, die wesentliche neue Erkenntnisse zur Herstellungstechnik und vermutlich auch zum Herstellungsgebiet dieses Schwertes ermöglichen. So wurde außer der herkömmlichen Röntgenuntersuchung von Klinge und Gefäß auch erstmals an einem Ulfberht-Schwert eine computertomografische Aufnahme veranlasst, die vor allem die aufwändige Halterungskonstruktion des Griffknaufes auf der Knaufplatte veranschaulicht. Die archäometallurgischen Untersuchungen im Institut für Anorganische Chemie durch R. Lehmann ergaben für die Klinge ein hochwertiges, gehärtetes Eisen, das in seiner Qualität fast an heutigen Stahl heranreicht; für die Anbringung der Signatur und der Marke wurden damaszierte Drähte aus nickelhaltigem Eisen in zuvor ausgehobene Vertiefungen eingehämmert. Die Gefäßteile sind verziert mit einem Blech aus einer Zinn-Blei-Legierung, wobei der Knaufabschluss mit der Knaufplatte äußerlich mit zwei sich kreuzenden Lederbändern verbunden ist. Mithilfe vom Laserablations-Massenspektrometrie und Isotopenuntersuchungen konnte Lehmann die Lagerstätte des verwendeten Bleis im Rheinischen Schiefergebirge, genauer im Hintertaunus lokalisieren.

Ausgehend von der These, dass die Ulfberhtschwerter in monastischem Kontext gefertigt wurden, ist zu vermuten, dass die Waffe in der nahegelegenen Abtei Fulda, vielleicht auch Lorsch entstanden ist.