Leitlinien zur archäologischen Denkmalpflege in Deutschland

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20.07.2015 Von: H. Haßmann und M. Pahlow - NLD

Rätselhafter Schatzfund bei Lüneburg: Reichsbankgold aus der NS-Zeit.

Am 20.10.2014 fand ein geschulter Sondengänger zehn Goldmünzen, die er an den zuständigen Stadtarchäologen Prof. Dr. E. Ring und den damaligen Bezirksarchäologen des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege Drs. J. J. Assendorp meldete. In den folgenden zwei Wochen führten die Mitarbeiter des NLD am Fundort Ausgrabungen durch.



Unter einem ca. 50 Jahre alten Baum konnte eine etwa 1 m tiefe Baumwurfgrube eines älteren Baumes nachgewiesen werden. Darin fanden die Ausgräber 207 weitere Goldmünzen des 19. bis frühen 20. Jahrhunderts. Die insgesamt 217 Münzen haben einen Durchmesser von 21 mm und wiegen ausnahmslos 6,45g. Es handelt sich um vorwiegend um belgische und französische Goldmünzen. Ergänzt werden sie um wenige italienische und österreichisch-ungarische Münzen. Zudem enthielt die Grube stark fragmentierte Teerpappe und zwei sog. Knotenplomben der Deutschen Reichsbank.

Der archäologische Befund ergibt folgende Rekonstruktion: Am Fuße eines später umgestürzten Baumes wurden in den Sand zwei verplombte Geldsäcke mit Goldmünzen vergraben. Zum Schutz wurden die Beutel in Teerpappe eingeschlagen. Der Stoff der Beutel und der Faden der Versiegelung waren vollständig vergangen. Nur an den Plomben haben sich Reste der Säcke und des Fadens erhalten. Beim Umstürzen des Baumes wurden die Münzen verlagert und in der gesamten Baumwurfgrube verteilt.

Bei den Münzen handelt es sich um Stücke, die bis heute im Umlauf sind. Die älteste Prägung ist aus dem Jahr 1831 belegt, die Schlussmünze datiert in das Jahr 1910. Für die zeitliche Einordnung müssen die Beifunde somit herangezogen werden. Die chemische Analyse der Teerpappe ergibt eine Herstellungszeit von spätestens 1970, vermutlich vor 1950. Die beiden Plomben weisen ein spezielles Knotenpatent auf, das 1930 registriert worden ist. Beide tragen den Reichsadler mit Hakenkreuz und zeigen die Prägung „Reichsbank Berlin 244“. In der historischen Sammlung der Deutschen Bundesbank befindet sich ein identisches Vergleichsstück, das auf das Jahr 1940 datiert wird. Die metallurgische Analyse des verwendeten Aluminiums weist auf einen Herstellungszeitraum ab 1940 hin. Somit ergibt sich als Niederlegungszeitraum die Jahre 1940 bis 1950.

Die Interpretation des Goldfundes legt nahe, dass es sich um Goldbestände der Deutschen Reichsbank handelt. Vermutlich wurden zwei Beutel mit Münzen geraubt und vergraben, um sie zu einem späteren Zeitpunkt zu bergen. Diese Bergung erfolgte aus unbekannten Gründen nicht.
Der wahrscheinlichste Zeitraum für einen solchen Goldraub und -versteck ist die Endphase des Zweiten Weltkrieges oder die unmittelbare Nachkriegszeit. Weitere interdisziplinäre Untersuchungen sollen sich der mit dem Goldschatz verknüpften Fragen annehmen und können möglicherweise neue Ergebnisse bringen.

Wegen des herausragenden wissenschaftlichen Wertes des Fundes im Zusammenhang mit den Ereignissen der Jahre um 1945 hat das Land Niedersachsen das Schatzregal angewendet und so das Eigentum originär erworben.