Leitlinien zur archäologischen Denkmalpflege in Deutschland

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07.07.2011 Von: Dorothee Ott, Presse- Öffentlichkeitsarbeit BlfD

Prähistorische Pfahlbauten in der Welterbeliste

Drei Bestandteile der neuen transnationalen Welterbestätte liegen in Bayern


Bei ihrer 35. Sitzung, die vom 19.-29. Juni 2011 in Paris stattfindet, hat die UNESCO über einen Vorschlag von sechs Alpenanrainerstaaten (Schweiz, Österreich, Frankreich, Deutschland, Italien, Slowenien) entschieden und die Reste von 111 (von insgesamt fast 1000) prähistorischen Pfahlbauten des Alpenraums in die Welterbeliste aufgenommen.

Es handelt sich um die Spuren von Siedlungen aus der Zeit zwischen 5000 und 500 v. Chr., die sich unter Wasser, an See- und Flussufern sowie in Feuchtgebieten befinden. An solchen wassernahen Standorten bestehen außergewöhnlich gute Erhaltungsbedingungen für organische Materialien wie Holz, Textilien, Pflanzenreste und Knochen. Die reichen Funde liefern präzise und detaillierte Erkenntnisse zur Welt der frühen Bauern Europas. Mit der Möglichkeit der exakten Datierung hölzerner Architekturelemente (Jahrringdatierung) kann die Entwicklung vollständiger prähistorische Dörfer über sehr lange Zeit verfolgt werden. Die Pfahlbauten sind daher die besten archäologischen Quellen für prähistorische Siedlungen in Mitteleuropa.

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hat in enger Kooperation mit den Partnerbehörden und den Eigentümern drei Denkmäler in das Projekt eingebracht: Die Roseninsel im Starnberger See und die sie umgebende Flachwasserzone mit ihren prähistorischen Besiedlungsresten sowie die zeitlich aufeinanderfolgenden, jungsteinzeitlichen Feuchtbodensiedlungen von Pestenacker und Unfriedshausen (Landkreis Landsberg a. Lech). Diese beiden Fundstellen bilden seit dem Jahr 1988 einen Forschungsschwerpunkt des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege. Die Kenntnis der Umgebung der Roseninsel beruht auf taucharchäologischen Untersuchungen der Bayerischen Gesellschaft für Unterwasserarchäologie.

Im Rahmen der Bewerbung ist ein übergreifendes Managementsystem entstanden. Über eine internationale Koordinationsgruppe – legitimiert durch eine von allen Staaten unterzeichnete Managementvereinbarung – werden die nationalen Systeme zu einem internationalen Managementsystem verbunden.

Die herausragende Bedeutung des kulturgeschichtlichen Phänomens Pfahlbauten und ein hervorragend unter Schweizer Federführung erarbeiteter überzeugender Antrag bildeten die Grundlagen für den Erfolg der Nominierung und die Eintragung auf der Welterbeliste.

Mit dem positiven Entscheid des UNESCO Welterbekomitees ist Bayern – und damit der ganze Alpenraum – um eine Welterbestätte reicher.

Weitere Informationen finden Sie hier: www.palafittes.org