Leitlinien zur archäologischen Denkmalpflege in Deutschland

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04.12.2013 Von: Uwe Steinkrüger, LVR Amt für Bodendenkmalpflege

LVR-Grabungsteams fanden eine der größten frühmittelalterlichen Siedlungen Deutschlands

Fundplatz mit herausragender Bedeutung für die Wissenschaft


Archäologen des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) gelang in Bonn die Freilegung einer der bislang größten bekannten frühmittelalterlichen Siedlungen in Deutschland. In mehreren umfangreichen Grabungen wurden seit 2007 auf dem insgesamt über 17 Hektar großen, neu-zeitlich nicht überbauten Areal 94 Gebäudegrundrisse nachgewiesen und ausgegraben.
Seit 2007 sind Grabungsteams des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rhein-land im rechtsrheinischen Bonner Stadtgebiet bei Bechlinghoven beiderseits der Bundesstraße 56 aktiv. Die archäologischen Arbeiten auf den insgesamt rund 17 Hektar großen Flächen werden durch die landeseigene Stadtentwicklungsgesellschaft NRW.URBAN finanziell unterstützt, die das Areal für Wohnbebauung erschließt.
Den Grabungsteams des LVR gelang die fast vollflächige Untersuchung eine der größten bekannten merowingerzeitlichen Siedlungen Deutschlands. Für die Wissenschaft ist diese von herausragender Bedeutung, weil der Platz im Unterschied zu vielen anderen Ortschaften neuzeitlich nicht überbaut war. Eine derartig hohe Anzahl von Gruben- und Langhäusern konnte hier erstmals dokumentiert werden. Im Rheinland wurden bereits etliche fränkische Gräberfelder archäologisch untersucht, Siedlungen hingegen sind eine Rarität, wobei meist nur Abschnitte erfasst wurden. Durch die Grabungen in Bechlinghoven mit umfangreichem Fundmaterial kann die Archäologie Lücken in der Siedlungsgeschichte schließen und Siedlungsstrukturen, Bauweise sowie die Siedlungsentwicklung über mehrere Jahrhunderte auswerten. Die Funde zeigen, dass in dieser ländlich geprägten Siedlung etwa zwischen dem sechsten und dem achten Jahrhundert verschiedene Handwerker und Bauern lebten und arbeiteten. In den Grubenhäusern konnten zum Beispiel die Reste von Textilhandwerk wie Spinnen und Weben nachgewiesen werden. Regelmäßig fanden sich auch kleinere Öfen zum Backen und vermutlich auch Töpfern.
In der vorangegangenen römischen Periode war das Gelände bereits als Manöverplatz genutzt worden. Das Grabungsteam des LVR hat zwei Übungslager des römischen Militärs umfassend ausgraben und genau bestimmen können. Sie weisen nicht nur vorbildlich ausgehobene Spitzgräben auf, zum ersten Mal im Rheinland bezeugen zahlreiche in den Gräben gefundene Steinkugeln Angriffsübungen im Bereich der Tore.
Auch nach der merowingischen Epoche blieb der Platz für die Menschen attraktiv: Beeindruckend und noch sichtbar sind die eingestürzten Mauern eines hochmittelalterlichen Hauses, die in dessen ehemaligem Keller liegen. Das Gebäude gehörte zu einer Hofanlage, von der das LVR-Team in den vergangenen Monaten einige Gebäude untersuchen konnte. Warum die Siedlung aufgegeben wurde, bleibt für die Archäologen vorerst ein Rätsel.