Leitlinien zur archäologischen Denkmalpflege in Deutschland

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22.03.2017 Von: Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Dr. Carolin Steimer, LWL-Archäologie

Hightech, Migration und Relikte aus längst vergangener Zeit

Über 400 Besucher bei Jahrestagung der LWL-Archäologie in Münster


Über 400 Besucher kamen am Montag (20.3.) zur 8. Archäologischen Jahrestagung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) nach Münster. Ob Unterwasserarchäologie im Eggegebirge, Prospektionen mit dem Quad oder Migration und Kulturtransfer in der archäologischer Forschung. Die westfälische Archäologie ging 2016 neue Wege und ist tief verwurzelt in der Gegenwart.

 In diesem Jahr gab es einen neuen Teilnehmerrekord. Schon drei Wochen vor Beginn war die 8. Jahrestagung der Archäologie in Westfalen-Lippe ausgebucht. Traditionell findet sie zum Frühlingsanfang, dem Beginn der Grabungssaison, statt. "Wegen der günstigen Zinslage gibt es zur Zeit viele Bauvorhaben und damit auch viele Grabungen zu bewältigen, so dass kaum eine Pause bleibt", erklärte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale.

 "Das Programm spiegelt, worum es dem LWL bei der Wahrnehmung seiner kulturellen Aufgaben geht, nämlich: um die Teilnahme an aktuellen, gesellschaftlichen Diskussionen zugunsten von Vielfalt und Inklusion, aber auch um die Kooperation und den Austausch mit anderen Disziplinen, Einrichtungen - ja, Kulturen", erklärte Rüschoff-Thale. Ein Anliegen, das im vergangenen Jahr in vielen LWL-Veranstaltungen und in den Sonderausstellungen der drei Museen der LWL-Archäologie für Westfalen in Herne, Haltern und Paderborn zur Geltung kam.

 Für Archäologen ist es eine Binsenweisheit, dass Kulturen keine abgeschlossenen, unveränderlichen Systeme sind, sondern sich ständig verändern. Das zeigt sich auch in Westfalen-Lippe. "Hier tragen wir Sorge dafür, dass das Denkmalschutzgesetz umgesetzt wird: dass also Fundstellen wenn möglich geschützt oder im Falle unvermeidlicher Zerstörung durch fachkundige Ausgrabungen dokumentiert werden", erklärte Prof. Dr. Michael M. Rind, Direktor der LWL-Archäologie für Westfalen

 Auch Rind verwies auf die landesweit wachsende Zahl von Funden: "Würde jedes Bodendenkmal einen Platz im Fußballstadion belegen, könnte man mit dieser Menge allein in Münster mehr als drei Preußenstadien füllen." Daher gelte es, neue Konzepte zu schaffen, Mitstreiter zu finden und Probleme gemeinsam zu lösen. "Dazu tragen die jüngsten Entwicklungen zur Einrichtung einer eigenen Prospektionsabteilung in Kooperation mit dem Ludwig-Boltzmann Institut in Wien bei", so Rind.

 Anne Katrin Bohle vom NRW-Bauministerium war ebenfalls optimistisch: "Ich bin zuversichtlich, dass der Respekt und die Erkenntnis von Seiten der Politik für Bereiche, die der Förderung bedürfen, auch in Zukunft anhält."

Wie umfangreich und vielversprechend die Grabungs- und Forschungsergebnisse in Westfalen-Lippe zurzeit sind, zeigte die Themenauswahl der Tagung. Die Spannweite reichte von der seit 11.600 Jahren genutzten Blätterhöhle bei Hagen über mittelalterliche Metallfunde aus Beckum bis hin zur maßstabsgetreuen Rekonstruktion der Umwehrung eines Römerlagers in Haltern. Eisenzeitliche Ackerflure taten sich mit Hilfe digitaler Geländemodelle vor den Augen der Tagungsbesucher auf. Sie erfuhren, dass bereits im Mittelalter Pfefferpotthast, ein typisch westfälisches Gericht, in Münster auf dem Speiseplan stand und dass Völkerwanderung und Migration schon im eisenzeitlichen Siegerland gang und gäbe waren.