Leitlinien zur archäologischen Denkmalpflege in Deutschland

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14.11.2017 Von: Dr. Beate Leinthaler, hessenARCHÄOLOGIE

hessenARCHÄOLOGIE-Tag 2017: Kelten und Germanen in der Dieburger Römerhalle

„In Dieburg, der historischen Park- und Gartenstadt an der Gersprenz, haben Tradition und Historie Zukunft.“ So wird die südhessische Stadt im Landkreis Darmstadt-Dieburg auf der Internetseite Dieburgs charakterisiert – ein Motto, dem der diesjährige, am Ort veranstaltete hessenARCHÄOLOGIE-Tag Rechnung trug.


Der Dank des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen geht an die Verantwortlichen der Stadt Dieburg, auf deren Einladung am 11.11.2017 die Tagung der hessenARCHÄOLOGIE in der Römerhalle stattfand. Mit 454 angemeldeten Teilnehmern war dies die Veranstaltung mit der höchsten Besucherzahl in der Geschichte der hessenARCHÄOLOGIE-Tage.
Der Bürgermeister der Stadt Dieburg, Frank Haupt, begrüßte zu Beginn der Veranstaltung alle Gäste „aus Nah und Fern“ aufs Herzlichste. In seinem Grußwort betonte er zudem die gute Zusammenarbeit mit der hessischen Landesarchäologie. Auch seien die Kenntnis und die Pflege der eigenen Geschichte für Stadt und Region von großer Bedeutung. Vor diesem Hintergrund dankte er dem im Publikum anwesenden ehemaligen Landesarchäologen Prof. Dr. Egon Schallmayer, der mit seinen Forschungen zum römischen Dieburg der Stadt im besonderen Maße verbunden ist.
Im Anschluss überbrachte MinR Christian Bührmann, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst, die Grüße der Hessischen Landesregierung und des Hessischen Ministers für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein. In seiner Rede hob er die enorme Bedeutung derartiger Veranstaltungen hervor – sind sie doch ein wichtiges Vermittlungsinstrument, um in der Öffentlichkeit das Verständnis für das Entstehen, Werden und Bewahren unserer Kultur und deren Kulturgüter zu stärken.


Nach den Willkommensworten des Ersten Kreisbeigeordneten des Landkreises Darmstadt-Dieburg, Christel Fleischmann, folgte die Einführung in die Veranstaltung traditionsgemäß durch den hessischen Landesarchäologen, Dr. Udo Recker. Er drückte in seiner Rede nicht nur der gastgebenden Stadt Dieburg seinen Dank für die diesjährige Einladung aus, sondern auch den Organisatoren, Führern und Helfern, die im Hintergrund für einen reibungslosen Ablauf sorgten. Die Moderation des hessenARCHÄOLOGIE-Tages lag in diesem Jahr in den Händen von Dr. Kai Mückenberger.
Am Ende seiner Eröffnungsrede stellte Recker dem Auditorium das neue Jahrbuch „hessenARCHÄOLOGIE 2016“ vor. In der diesjährigen Ausgabe informieren die hessische Landesarchäologie sowie auch Kreis- und Stadtdenkmalpflege, Museen, Universitäten, Grabungsfirmen und ehrenamtliche Mitarbeiter die Leserinnen und Leser in mehr als 60 reich bebilderten Beiträgen zeitnah und allgemein verständlich über die Rettung, Erforschung und öffentliche Vermittlung von archäologischen und paläontologischen Denkmälern in Hessen während des Jahres 2016.
Im ersten Vortragsblock berichtete Dr. Jörg Lindenthal, Archäologische Denkmalpflege des Wetteraukreises, über den vorgeschichtlichen Bestattungsplatz „Am Steinern Kreuz“ in der Kreisstadt Friedberg (Wetteraukreis). Daran schloss sich die Präsentation der bisherigen Untersuchungsergebnisse zu einer bandkeramischen Siedlung in Gernsheim-Kleinrohrheim (Lkr. Gernsheim) durch Dr. Nico Fröhlich, Mühlheim a. M., an. Mit seinen Ausführungen zum Fortgang der Grabungen auf dem Stallberg im Hessischen Kegelspiel knüpfte Prof. Dr. Rüdiger Krause, Goethe-Universität Frankfurt a. M., an einen letztjährigen Vortrag an. Die Wallanlagen dieses Bodendenkmals sind ein Untersuchungsbestandteil des Projektes „Prähistorische Konfliktforschung – Burgen der Bronzezeit zwischen Taunus und Karpaten“, gefördert durch das hessische Landesprogramm LOEWE.
Nach der Mittagspause, in der Tagungsteilnehmer die Gelegenheit hatten, sich in geführten Spaziergängen über die Stadtgeschichte Dieburgs zu informieren, folgte der zweite, größere Vortragsblock mit fünf Beiträgen. Mit der Vorstellung der ersten Ergebnisse zum Tempelbezirk im Zentrum der römischen Stadt NIDA (Frankfurt a. M.-Heddernheim) eröffnete Dr. Andrea Hampel, Leiterin des Denkmalamtes der Stadt Frankfurt a. M., die nachmittäglichen Vorträge. Im Rahmen eines Beitrages zu einem Befund aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges, aufgedeckt bei einer Voruntersuchung im Baugebiet „Schänzchen III“ in Hofheim a. M., gewährte Jessica Meyer M. A. Einblicke in den Umgang der Archäologie mit diesen sog. unbequemen Denkmälern. Der daran anschließende Vortrag über die Untersuchungsergebnisse zu menschlichen Knochen- und Zahnfunden aus dem Beinhaus der ehemaligen Stiftskirche St. Lubentius in Limburg-Dietkirchen von Dr. Franziska Holz und Prof. Dr. Marcel A. Verhoff belegte eindrücklich, dass Knochen Informationsträger erster Güte darstellen und vielfältige Aussagen zum Leben und zum Sterben des Menschen liefern. Wie eine systematische Aufnahme von Zeugnissen früher Metallverarbeitung im östlichen Hintertaunus die Besiedlungsgeschichte einer ansonsten archäologisch wenig erforschten Mittelgebirgsregion erhellen bzw. verständlich machen kann, demonstrierte der Vortrag von Dr. Sabine Schade-Lindig. Die Grabungsergebnisse des Jahres 2016 und 2017auf dem Glauberg standen im Mittelpunkt der Ausführungen von Dr. Axel Posluschny unter dem Titel „Vom keltischen Fürstensitz zur mittelalterlichen Stadt“. Mit der Vorstellung der neuen Dauerausstellung „Unter unseren Füßen“ im Hessischen Landesmuseum Kassel lud Dr. Irina Görner das Publikum zu einem virtuellen Rundgang durch die neu gestalteten Räume ein.
Der Abendvortrag von Thomas Becker M. A., dem Leiter der Außenstelle Darmstadt der hessenARCHÄOLOGIE, zur Archäologie in Dieburg und Südhessen rundete das Vortragprogramm dieses an Informationen reich angefüllten Tages ab.


Wie in den vorangegangen Jahren bestand am darauffolgenden Tag das Angebot, an einer Führung durch das Museum Schloss Fechenbach in Dieburg sowie an einem Besuch des UNESCO-Naturerbes Grube Messel teilzunehmen.
Abschließend bleibt festzuhalten, dass die in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegene Teilnehmerzahl das zunehmend wachsende Interesse und das damit verbundene Verständnis an und für Themen der hessischen Landesarchäologie und deren bodendenkmalpflegerischen Inhalten verdeutlicht. Damit ist dieses Format zur Vermittlung dieser Inhalte ein probates Mittel der Öffentlichkeitsarbeit. In diesem Sinne sehen wir bereits jetzt mit Freude und Spannung dem nächsten hessenARCHÄOLOGIE-Tag im Herbst 2018 entgegen.