Leitlinien zur archäologischen Denkmalpflege in Deutschland

Download der Leitlinien (pdf 2,9 MB)

< vorherige Meldung
23.10.2012 Von: Torben Schatte M.A. FU Berlin

Fortsetzung der Ausgrabungen auf dem Römisch-Germanischen Schlachtfeld Harzhorn

In der 5. Grabungskampagne auf dem Harzhorn konnte ein bisher noch nicht prospektiertes Areal im Bereich des „Hauptkamms“ untersucht werden.


Unter der Führung des ersten Soldatenkaisers Maximinus Thrax kam es in der ersten Hälfte des 3. Jh. n. Chr. zu militärischen Auseinandersetzungen im Bereich des bewaldeten Höhenzuges Harzhorn, Lkr. Northeim. Vom 30.7. bis 24.8.2012 wurden hier weitere Ausgrabungen durchgeführt. Das 15-köpfige Grabungsteam setzte sich aus StudentenInnen der FU Berlin und den Universitäten Göttingen, Münster und Frankfurt zusammen und unterstand der Leitung von Prof. Dr. Michael Meyer. Der reibungslose Ablauf der Kampagne wurde zudem durch die enge Zusammenarbeit mit den örtlichen Archäologen, in Person von Herrn Dr. Michael Geschwinde und Frau Dr. Petra Lönne, sowie denen für die Prospektion des Geländes zuständigen Grabungstechnikern Thorsten Schwarz und Michael Brangs gefördert. Einen weiteren wichtigen Kooperationspartner stellt das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege dar, welches die Ausgrabung finanziell unterstützt.

 

Durch die großflächige Prospektion mit Metalldetektoren der letzten Jahre sind mehrere Fundkonzentrationen auf dem Harzhorn lokalisiert worden, welche Material der Kampfhandlungen, sowie des dem römischen Heeres begleitenden Trosses erbrachten. Die Funde liegen größtenteils auf dem östliche Ausläufer des Harzhorns über eine Länge von ca. 500 m verteilt. Aufgrund der Größe des Areals wurde sich bei der Anlage der Grabungsschnitte an den Konzentrationen orientiert. Seit 2009 konnte somit eine Methodik für die Ausgrabung dieses Schlachtfeldes erarbeitet und ein weitreichendes Verständnis  über die Funderhaltung erlangt werden. Demnach sind besonders in Hangsituationen, wo der Kalkfelsen dicht unter der Oberfläche ansteht, zahlreiche Funde zu vermerken. In vielen flacheren Bereichen auf dem Harzhorn konnte eine mittelalterliche/neuzeitliche Beackerung nachgewiesen werden, die eine erhebliche Störung des Platzes darstellen. Zudem ist hier der Boden entkalkt. Die Bedingungen für eine Erhaltung von Eisenobjekten, dem Großteil des Fundniederschlags, sind demnach überwiegend im steileren Gelände zu erwarten. Erste Vergleiche der Fundzahlen im Bereich der Schnitte haben gezeigt, dass, trotz der hier vorab durchgeführten Prospektion mit Metalldetektoren, bei den Grabungen neben Knochen und Keramik noch Metallfunde im großen Umfang zu Tage gefördert werden konnten. Die Ausgrabungen sind demnach genauer, könnten aufgrund des größeren Zeitaufwandes allerdings niemals alleine das ganze Ausmaß des Fundplatzes erfassen. Der systematische Einsatz von Metalldetektoren durch ausgebildeten Archäologen ist daher ein wichtiger Bestandteil des Projekts.

 

Erstmals wurde dieses Jahr ein ca. 25 m langer unprospektierter Hangabschnitt des „Hauptkamms“ untersucht, der hier nach Süden hin abknickt. Dieses Gebiet wurde zwar von Funden flankiert, wodurch zu vermuten war, dass im Zwischenbereich weitere Objekte zu erwarten sind, konnte aufgrund starken Bewuchses allerdings bisher nicht mit Metalldetektoren sondiert werden. Durch das Grabungsteam wurde das störende Unterholz beseitigt und drei Schnitte hangabwärts angelegt. Das der Schlacht zuzuordnende Fundmaterial liegt in der Regel in den oberen 20 cm des Bodensubstrats. Da es sich hierbei um schwarzbrauen Humus handelt, sind kleine Metallfunde mit bloßem Auge kaum auszumachen. Zielsetzung ist es aber in den Schnitten noch alle erhaltenen Gegenstände des Ereignisses aus dem 3. Jh. n. Chr. zu bergen. Daher ist neben dem üblichen Grabungsgerät der begleitende Einsatz von Detektoren unabdinglich. So konnten auch kleinste Objekte mit nur 2 mm Durchmesser geborgen werden. Das größte Fundspektrum stellten auch dieses Jahr wieder römische Schuhnägel dar, ein Indikator für die Bewegungen römischer Soldaten. Daneben bestätigen u.a. zwei dreiflüglige Pfeilspitzen, ein Katapultbolzen und eine in situ dokumentierte römische Speerspitze die Kampfhandlungen in diesem Areal. Letztgenanntes Objekt steckte mit der Spitze voran im Hang und gibt somit einen Hinweis aus welcher Richtung der Angriff erfolgte.

 

Der nördliche Grabungsbereich schließt direkt an die Fundkonzentration des „Hauptkamms“ an. Nach Süden hin lichtet sich die Fundstreuung und scheint schließlich ganz abzubrechen. Demnach deutet sich in diese Richtung eine Begrenzung der Kampfhandlung auf diesem Teil des Harzhorns an. Dies gilt es allerdings durch die Anlage weiterer Schnitte zu prüfen. Die bereits dokumentierte getrennte Ballung von verschiedenen Waffengattungen an der Nordflanke des Kamms sprechen für den Einsatz unterschiedlicher römischer Einheiten auf eine germanische Stellung.  Die Funde aus dem diesjährigen Grabungsareal könnten demnach im Zusammenhang mit einem Flankenangriff auf diese Stellung gesehen werden.