Leitlinien zur archäologischen Denkmalpflege in Deutschland

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26.04.2016 Von: K. Malek (NLD) / M. Zeiler (LWL Archäologie)

Erstes Arbeitstreffen der Montanarchäologen der Archäologischen Denkmalpflege Deutschlands in der Arbeitsstelle Montanarchäologie in Goslar

Die Erforschung der frühen Gewinnung sowie Verarbeitung von Erzen, Bausteinen, Pigmenten und anderen Rohstoffen ist gerade im Bereich der deutschen Mittelgebirgsschwelle, die sich quer durch die Bundesrepublik mit ihren polymetallischen Erzlagerstätten zieht, für das Verständnis der Geschichte grundlegend.


In manchen Regionen, wie zum Beispiel dem Harz oder Südwestfalen, stellen Montandenkmäler sogar die dominierende Fundstellenkategorie dar. Der montanarchäologische Fokus liefert Neubewertungen zur Umwelt- und Technikgeschichte, zum Ideentransfer oder zur Wirtschaftsentwicklung.

Prominentes jüngstes Beispiel hierfür sind die sächsischen Arbeiten des internationalen Forschungskooperationsprojektes ArchaeoMontan, welches innerhalb weniger Jahre unser Bild zur hochmittelalterlichen Wirtschaftsorganisation, Monetarisierung und Siedlungsentwicklung völlig verändert hat.

Trotz dieser Bedeutung der Montanarchäologie für die archäologische Denkmalpflege sind die länderspezifischen Unterschiede bei personeller Ausstattung, Inventarisation, Bewertung und Denkmalpflegepraxis sehr different. Während seit 24 Jahren in Niedersachsen eine eigenständige Montanarchäologie mit Sitz in Goslar existiert, die neben den rein denkmalpflegerischen Aufgaben auch international vielbeachtete montanarchäologische Grundlagenforschung realisiert, ist dieser Forschungsgegenstand in den meisten anderen Bundesländern lediglich Nebenaufgabe der jeweiligen Bezirksarchäologie. Zudem erschweren die länderspezifischen Denkmalschutzgesetze und Denkmaldefinitionen einen einheitlichen denkmalpflegerischen Umgang mit Montandenkmalen sowie ein übergreifendes Arbeiten bei bundesrechtlichen Vorgaben der Bergbehörden.

Diese Unterschiede waren Anlass zu einem ersten Austausch der Montanarchäologen Baden-Württembergs, Hessens, Niedersachsens, Sachsens, Thüringen und Westfalens in der Arbeitsstelle Montanarchäologie des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege in Goslar am 12. April 2016. Gegenstand der konstruktiven Gespräche waren neben der Darstellung der länderspezifischen Unterschiede, vor allem der Austausch zu Beteiligungsverfahren, der Umgang mit Sicherungsmaßnahmen und aktuellen Eingriffen in Montandenkmäler.

Die Teilnehmer streben einen anhaltenden Austausch und ein einheitlicheres Vorgehen an. Wünschenswert ist eine stärkere Gewichtung der Montanarchäologie in den Ländern allgemein, um stellenweise großen Desideraten der Forschung abhelfen und Eingriffen in das kulturelle Erbe vor allem unter Tage begegnen zu können.