Leitlinien zur archäologischen Denkmalpflege in Deutschland

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25.10.2019 Von: W. Ender, I. Kraft - LfA Sachsen

Einzigartiger Keltenfund an der Elbe!

Zweieinhalb Tausend Jahre alte Schmuckstücke von atemberaubender Schönheit und Qualität wurden von den Archäologen bei Pirna-Pratzschwitz entdeckt.


 

Im Verlauf der dreijährigen Ausgrabungen (2016-2018) auf dem Gelände des Kieswerks Pirna-Pratzschwitz wurden zahlreiche archäologische Funde geborgen. Sie stammen aus dem Mesolithikum (Alter etwa 9000 Jahre) und der Jungbronzezeit (etwa 3000 Jah-re alt) sowie aus der Eisenzeit (etwa 2500 Jahre alt) und dem Mittelalter. In den Endta-gen der Ausgrabungen im Oktober 2018 wurde ein bisher einzigartiger Fund entdeckt: eine etwa 2500 Jahre alte Deponierung von Schmuckgegenständen. Diese Funde sind aufgrund ihrer künstlerischen Qualität und ihres Stils in die Frühphase der sog. La Tène-Zeit zu stellen und stammen aus der „keltischen“ Welt, wahrscheinlich aus dem angrenzenden Böhmen. Neben hervorragenden Fibeln (Gewandspangen) und weiterem Schmuck wurde ein Kettencollier aus Bronze entdeckt, für das es bisher in der kelti-schen Welt Mitteleuropas keine Parallele gibt.   

Das Fundgefäß, ein zweihenkeliger  Keramiktopf mit Resten einer Deckschale, barg insgesamt folgende Schmuckgegenstände:

  • eine gut erhaltene anthropomorphe (menschengestaltige) Maskenfibel mit zoomorpher (tiergestaltiger) Fußzier aus Bronze
  • zwei gut erhaltene Vogelkopffibeln nach dem Schema Raubvogel aus Bronze
  • ein nach jetzigem Kenntnisstand bisher einmaliges Kettencollier aus Bronze, bestehend aus einem halbkreisförmigen „Joch“ (halbringförmiges mit einem Mittelgrat versehendes und mit Kreisaugen und Strichbündel verziertes Nackenstück)  und einer daran fixierten fünfstrangigen Kette aus nahezu 700 kleinen bronzenen Ringen und drei Kettenschiebern
  • Zudem wurden 2 Perlenketten (bisheriger Restaurierungsstand) aufgefunden. Die eine besteht aus etwa 360 Bernsteinperlen, die andere aus etwa 130, vor-rangig blauen Glasperlen


Die genannten Gegenstände waren wahrscheinlich in ein schleierartiges, grobmaschi-ges Tuch eingeschlagen niedergelegt worden und füllten das Gefäß nahezu komplett aus. Die Textilreste befanden sich an zahlreichen Kontaktstellen zwischen den Schmuckgegenständen und der Innenwand. Ein größeres Stück Stoff hat sich am Bo-den des Gefäßes erhalten. Das Tuch wurde möglicherweise mit einem Bindfaden an dessen Enden sich je ein kleiner Eisenring befand, geschlossen (bisheriger Restaurie-rung stand).
Die Tracht-Ausstattung in Form von zwei Vogelkopffibeln und einer Prunkfibel (hier Maskenfibel) sowie weiterer Schmuck ist ein bekanntes Szenario im Grabbrauch der keltischen Oberschicht (sog. Fürstengräber-Horizont) zwischen der Champagne und den Westkarpaten (West-Ost), bzw. dem Alpenraum  und der nördlichen Mittelgebirgs-zone (Süd-Nord). Aber auch in keltischen Siedlungen tauchen diese Funde gelegentlich auf.

Im Keramikgefäß selbst sowie in dessen Umgebung wurden keinerlei Überreste von menschlichen Knochen oder Zähnen entdeckt! Dies macht die Interpretation des Fun-des schwer, da es sich offensichtlich nicht um Beigaben einer Grabausstattung handelt. Nach der Befundsituation wurde das Gefäß in einer grob viereckigen Grube von etwa 1,5 qm Größe und knapp einem Meter Tiefe (ab heutiger Geländeoberkante) niederge-legt. Weitere Funde sind nicht entdeckt worden. Die Größe des noch erfassten Befun-des macht die Interpretation als einfaches Versteck (heimliches Verwahren zum späte-ren Bergen) unglaubhaft, zumal sich der Auffindungsort innerhalb der latènezeitlichen Siedlung befand.