Leitlinien zur archäologischen Denkmalpflege in Deutschland

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01.12.2015 Von: Uwe Steinkrüger, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland

Bisher unbekanntes Legionslager der Römer am Niederrhein entdeckt

Teil des geplanten UNESCO-Welterbes „Niedergermanischer Limes“


Archäologen des LVR und der Ruhr-Universität Bochum haben am Niederrhein ein bislang unbekanntes, besonders stark umwehrtes Militärlager der Römer entdeckt. Das 14 Hektar große, von mindestens einer Legion genutzte Lager war von besonderer militärischer Bedeutung, denn es weist drei umgebende, parallel verlaufende Spitzgräben auf. Prof. Dr. Jürgen Kunow, Leiter des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland: „Eine derartige Sicherung ist bisher einmalig im Rheinland. Offenbar wurde das Lager über eine längere Zeit genutzt, keinesfalls nur als Marschlager. Die Entdeckung ist eine kleine Sensation, denn die Anlage war sicherlich von ganz besonderer militärischer Bedeutung.  Wir werden die Fläche auf jeden Fall in die Antragsliste für das UNESCO-Welterbe ‚Niedergermanischer Limes‘ aufnehmen.“

Entdeckt hat das neue Lager der Luftbild-Archäologe Dr. Baoquan Song von der Ruhr-Universität Bochum. Er fliegt regelmäßig Gebiete in Nordrhein-Westfalen ab, um Aufnahmen von archäologisch relevanten Flächen zu machen. In den Luftbildern ist das Getreide über verfüllten römischen Gräben dunkler, weil die Füllung lockerer ist als das umgebende Erdreich und die Pflanzen dadurch tiefer wurzeln und mehr Nährstoffe aufnehmen können. Auf den Bildern von Baoquan Song sind im Bereich von Kapitelshof und Westrichhof bei Bedburg-Hau-Till die für römische Lager typischen Gräben mit den abgerundeten Ecken sichtbar. Dass es sich dabei um einen Platz von besonderer Bedeutung handeln muss, schlossen Archäologen des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege aus der mit mehreren parallelen Gräben ungewöhnlich starken Befestigung.

Weitere Spuren ergaben sich aus einer Luftbildkarte des niederländischen Vermessungsamtes und aus geophysikalischen Messungen, die in Zusammenarbeit mit dem Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität zu Köln durchgeführt wurden. In dem Gelände am Westrichhof sind zahlreiche Lagerspuren zu erkennen, offenbar muss von einer mehrphasigen Nutzung des Areals ausgegangen werden. Die Anlage mit mehrfachen parallelen Lagergräben weist eine Länge von mindestens 500 Metern und eine Breite von etwa 370 Metern auf. Die Befestigung umschließt dabei eine Fläche von etwa 14 Hektar. Steve Bödecker, Limes-Projektleiter beim LVR: „Marschlager wurden meist für einen oder wenige Tage benutzt. Sie weisen üblicherweise nur einen Lagergraben auf. Am Westrichhof lassen die vielen Lagerphasen und die massiven Befestigungen auf einen längeren Aufenthalt einer römischen Truppe schließen, als wir erwartet hatten.“  

Zur Klärung der Bauweise der Lagerbefestigung lässt das archäologische Fach-amt des LVR jetzt am Westrichhof eine Untersuchung durch die Firma Artemus durchführen. Der Grabungsschnitt wurde quer durch die Umwehrung angelegt. Damit will man die Größe und Bauweise der Spitzgräben, die innenliegende Aufschüttung und eine mögliche Bebauung im Inneren nachweisen. Üblicherweise errichtete das römische Militär mit dem Aushub einen Wall, länger genutzte Lager erhielten eine von Holzpflöcken eingefasste „Holz-Erde-Mauer“. Zugleich erhoffen sich die Fachleute anhand von Funden Hinweise auf die Datierung und damit auf die Nutzung des Lagers. Steve Bödecker: „Wir wissen aus der römischen Geschichtsschreibung, dass aufgrund von Aufständen oder Feldzugsvorbereitungen zeitweise zusätzliche Legionen an den Niederrhein entsandt wurden, so etwa unter Kaiser Claudius zur Eroberung von Britannien oder unter Kaiser Vespasian zur Niederschlagung eines Aufstandes. Wir suchen aber immer noch deren Lager. Vielleicht sind wir hier fündig geworden.“

Finanziert werden die Grabungen und Forschungsarbeiten aus einem Sonderprogramm für die Vorbereitung des UNESCO-Welterbeantrages zum Niedergermanischen Limes vom Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen.