Leitlinien zur archäologischen Denkmalpflege in Deutschland

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19.09.2011 Von: Dr. Peter Steppuhn, Hansestadt Lübeck, FB Kultur und Bildung, Abt. Archäologie

Ausgrabungen im Lübecker Gründungsviertel

44 ehemalige Grundstücke in der Lübecker Altstadt werden erforscht


Seit Oktober 2009 und bis zum 31. Dezember 2013 werden im Herzen der Lübecker Altstadt zwischen Braunstraße und Alfstraße auf 9.000 m² insgesamt 44 ehemalige Grundstücke erforscht. Die archäologischen Untersuchungen haben bereits viele neue Erkenntnisse zur Siedlungs-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte der vom 12. bis 16. Jahrhundert wichtigsten Stadt Nordeuropas, der „Königin der Hanse“, erbracht – insgesamt wird das Grabungsareal zwischen Rathaus, Marienkirche und ehemaligem Hafengebiet an der Trave in drei Teilen untersucht und dokumentiert. Seit Juli 2010 befinden sich die Archäologen im Grabungs-Abschnitt 2, der von einer 2.250 m² großen Halle überspannt wird. Parallel dazu haben im Juli 2011 die Ausgrabungen in Abschnitt 3 begonnen.

Beim Bombenangriff auf Lübeck im März 1942 wurden etwa 20 Prozent der Altstadt zerstört, insbesondere das Gründungsviertel. Da die Bebauung der Jahre 1955 bis 1961 durch zwei Schulen keinerlei Rücksicht auf die historisch gewachsenen Stadt-Strukturen nahm, bietet sich für dieses Viertel nun die Möglichkeit, eine seit längerer Zeit geplante „Stadtreparatur“ in Form einer kleinteiligen Bebauung vorzunehmen. Die neuen Grabungen ergänzen die zwischen 1985 und 1990 durchgeführten Untersuchungen unterhalb der Marienkirche. Im Jahre 1987 wurden Altstadt und archäologisches Erbe der Hansestadt Lübeck von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt.

Im Rahmen eines „Investitionsprogramms für nationale Welterbestätten“ erhielt die Stadt 2009 neun Millionen Euro für archäologische Untersuchungen in einem Quartier, das sich laut Schriftquellen bereits während des 13. Jahrhunderts im Besitz vornehmer Ratsherren, Kaufleute und Handwerker befand. Zwar belegen schriftliche Quellen, dass Lübeck im Jahre 1143 als erste deutsche Stadt an der Ostsee gegründet wurde und 1159 eine Zweitgründung erfuhr, doch sind sich die Historiker bis heute nicht einig, an genau welcher Stelle des Stadthügels zwischen Wakenitz und Trave die Anfänge Lübecks liegen, ob es eine slawische Vorbesiedlung gab und wie die Struktur der jungen Stadt aussah.

Zu den besonderen Grabungsbefunden zählen u. a. Mauerfundamente eines Dielenhauses des 13. Jahrhunderts, die einen älteren Kellerzugang störten. Dieser führte zu einem Holzkeller, der mit einem frühen Steingebäude auf Findlings-Fundamenten („Steinwerk“) überbaut war. Die für die Kellertreppe verwendeten Backsteine lassen die Anlage in die Zeit um 1200 datieren und präsentieren damit ein sehr frühes Beispiel zum profanen Backsteinbau in Lübeck. Außergewöhnlich ist ebenfalls eine hervorragend erhaltene und vor allem nahezu komplette Toiletten-Anlage des 13. Jahrhunderts. Diese befand sich im rückwärtigen Bereich des Grundstückes Braunstraße 26 innerhalb eines etwa 3,0 x 3,5 m großen Holzhauses in Schwellriegel-Konstruktion mit Wandbohlen und einem Holzfußboden. Bemerkenswert ist hier außerdem ein in Wand- und Fußbodenkonstruktion verankerter Toilettenkasten von etwa 1,0 x 1,2 m Größe, der dank eines Doppelsitzes gleich zwei Personen Erleichterung verschaffen konnte…

Weitere Informationen erhalten Sie unter:
www.AusgrabungGruendungsviertel.luebeck.de


Damit alle Lübeck-Besucher sowie die Bürgerinnen und Bürger am Fortgang der Ausgrabungen teilhaben können, ist während der Arbeitszeiten auf dem Grabungsareal der kostenlose Zutritt zum Grabungs-Zelt möglich. Außerdem finden hier regelmäßig öffentliche Führungen statt und es können individuelle Besichtigungs-Termine vereinbart werden.